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   Die linguistische Kapazität rückläufiger Wörterbücher     

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(Die linguistische Kapazität rückläufiger Wörterbücher)
    
    

Sarma Kliavinia

Universität Lettlands,Philologische Fakultät

Die linguistische Kapazität rückläufiger Wörterbücher

Annotation. Im vorliegenden Artikel werden die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten der rückläufigen Wörterbücher (RWb) behandelt. Die RWb geben wichtige Information für die Analyse der Wortbildung: sie zeigen die Wortbildungstypen und – modelle, die Ableitungselemente, ihre Produktivität und ihr System. Die RWb zeigen auch die morphophonologischen Prozesse in der Sprache, so kann man diese Prozesse inventarisieren und beschreiben. Die RWb helfen bei der Untersuchung und Beschreibung der Flexionsmorphologie (Formbildung). Die RWb sind eine gute Basis für die Ausarbeitung anderer Wörterbuchtypen, z. B. für die Wortbildungs- und die Morphemwörterbücher, grammatische Wörterbücher und Wörterbücher der Paronyme.

Einleitung

Das rückläufige Wörterbuch ( reverse / retrograde dictionary; dictionnaire inverse; obratnyi slovarj; inversinis / atgalinis þodynas; inversâ / apgrieztâ vârdnîca usw.) ist ein Wörterbuch oder ein Wort(formen)index/register, in dem die Stichwörter nicht in der normalen Leserichtung (von links nach rechts), sondern in umgekehrter Richtung vom Wortende zum Wortanfang alphabetisiert sind. Auf diese Weise sind die Wörter mit denselben Endungen, Suffixen und Wortelementen an einer Stelle systematisiert.

Das erste rückläufige Wörterbuch ist schon 1540 in Deutschland (Alberus 1540) veröffentlicht, und dessen Aufgabe war, den Reim zu zeigen. Dieses und auch die anderen rückläufigen Wörterbücher haben die Dichter benutzt. 

Auch die Erforscher von alten Texten konnten die rückläufigen Wörterbücher gut benutzen, um die Wörter zu entziffern, von denen nur das Wortende erkennbar war. Für diese Zwecke wurden und werden auch heute rückläufige Wörterbücher des Sanskrits, Altgriechischen, Lateinischen, Altiranischen, Altslawischen und anderer alter Sprachen ausgearbeitet.

Die Zusammenstellung und Verwendung der rückläufigen Wörterbücher zur Erforschung der Wortbildung und Morphologie hat erst in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts begonnen, aber eine aktive Zusammenstellung derartiger Wörterbücher für die modernen Sprachen hat seit 1955 begonnen.

Seit in der Lexikographie die Computer verwendet werden, ist die Zusammenstellung rückläufiger Wörterbücher produktiver und vielseitiger geworden, es werden nicht nur die Wörterbücher der Grundformen, sondern aller grammatischen Formen ausgearbeitet. Dazu muss noch gesagt werden, dass gleichzeitig mit der computergestützten Textanalyse, konkret – auf dem Gebiet der morphologischen Struktur und der Wortbildung – der Bedarf an den rückläufigen Wörterbüchern gestiegen ist.

Zwei Generationen der rücklaufigen Worterbücher

Fast alle europäischen Völker haben jetzt rückläufige Wörterbücher. Die Angaben über die uns interessierenden rückläufigen Wörterbücher kann man der Tabelle 1 entnehmen. Für die Übersicht sind je zwei Wörterbücher verschiedener Generationen aus jeder Sprache gewählt worden: das eine aus den 60-70er Jahren mit minimaler grammatischer Information (in den meisten Fällen ist das der Hinweis auf die Wortart), das zweite - ein modernes rückläufiges Wörterbuch mit reichlicher phonologischer und morphologischer Information bei den Stichwörtern. Darunter ist auch das grammatische Wörterbuch der russischen Sprache von Zaliznjak (Zaliznjak 1977) zu finden, das eigentlich ein rückläufiges Wörterbuch mit ausführlicher Information über die Formenbildung eines jeden Wortes ist.

Die Anwendungsmöglichkeiten der rückläufigen Wörterbücher sind in Lettland sowohl in der linguistischen Forschung als auch im Spracherwerbs- und Unterrichtsprozess leider unterschätzt worden. Die Situation in Litauen scheint ähnlich zu sein.

Die Erfassung des Wortbildungssystems in den RWb

Die RWb sind die Hauptquelle für die Erforschung und Erfassung der Wortbildung, weil sie die Wortbildungsmittel, -typen und -modelle der Suffigierung und Zusammensetzung sowie ihre Produktivität erfassen. Durch das Material der rückläufigen Wörterbücher kann der systemhafte Charakter der Wortbildung nachgewiesen werden. Wie das rückläufige Wörterbuch der lettischen Sprache (Soida, Kliavinia 2000) zeigt, werden im Lettischen mit Auslaut -nîca die Bezeichnungen des Ortes, wo sich etwas befindet oder vor sich geht, von den Substantiven gebildet ( vârdnîca, viesnîca, kafejnîca; insgesamt 43 von 48 Wörtern mit diesem Auslaut), seltener von den anderen Nomina (svêtnîca, slimnîca, viennîca), aber es gibt nur 2 verbale Bildungen (dziednîca, êdnîca). Andererseits werden mit dem Auslaut -tuve von den Verben die Bezeichnungen für die Handlungsorte gebildet, z. B. dzertuve, raktuve; insgesamt 61 Wörter). Es konnten also die Grenzen und Beziehungen der derivativen Modelle festgestellt werden, was für die Bildung von neuen Termini, den Sprachunterricht und die Sprachpflege von Bedeutung ist.

Durch die rückläufigen Wörterbücher kann die Polysemie und Homonymie der Suffixe und Auslaute belegt werden. In dem schon erwähnten rückläufigen Wörterbuch der lettischen Sprache kann man unter dem Auslaut -oòa sowohl deverbale Benennungen der Prozesse (èaboòa, graboòa, ðalkoòa u. ä.) als auch Benennungen der Personen und Lebewesen mit der Bedeutung nomina agentis (muldoòa, blandoòa, sprâgoòa u. a.) sehen, aber es gibt keine Ortsbenennungen mit diesem Auslaut. Solche finden wir in dem Wörterbuch von K. Mühlenbach und J. Endzelins (Mühlenbach 1923 – 1932), z. B. slapoòa für eine sehr nasse Stelle, also daraus ergibt sich, dass im Derivativ die Bedeutung des Ortes heute nicht mehr vorliegt.

In den rückläufigen Wörterbüchern kann man einige Fragen der präfixalen Wortbildung klären: man kann in den Angaben an einem Verb erfahren, mit welchen Präfixen neue Verben abgeleitet werden.

Die Erfassung der phonologischen und morphologischen Prozesse in den RWb

In den rückläufigen Wörterbüchern der 60 – 70er Jahre sind die Wörter nur nach orthographischen Gesichtspunkten ohne Hinweise auf ihre Aussprache angeführt worden, in den neueren Wörterbüchern (Muthmann 1988, Muthmann 1999) dagegen finden wir die phonetische Transkription. Auf diese Weise repräsentieren die Wörterbücher auch die phonetisch-phonologische Struktur der konkreten Sprache. Aber das ist nicht vollständig, wenn die Wörter in dem rückläufigen Verzeichnis nicht nach ihrer phonetischen Transkription angeordnet sind, wie es in dem rückläufigen Wörterbuch der französischen Sprache von Juilland ( Juilland 1965) getan worden ist.

Außerdem sind die rückläufigen Wörterbücher eine Quelle für die Inventur und Beschreibung der morphonologischen Prozesse. So finden wir in dem grammatischen Wörterbuch der russischen Sprache von Zaliznjak besondere Hinweise auf den Lautwechsel im Stamm und morphologisch irreguläre Formen der Wörter, und in der Einleitung (Zaliznjak 1977, 29 – 30, 41 – 42) gibt es schon eine Zusammenfassung über den Lautwechsel beim Deklinieren, z. B. über den Schwund der sogenannten mobilen Vokale [o], [e], [ë] in den Substantivstämmen (son sna; konjec konca) und in den Wörtern mit dem Auslaut -ej oder über den Schwund von -in in den Wörtern mit -anin/-janin. Die inverse Anordnung der Wörter gibt die Möglichkeit, sich von diesem Prozess zu überzeugen, indem man eine oder mehrere Seiten durchsieht.

Die RWB und die Formenbildungsstudien

Da die Wörter mit gleichen Wortausgängen in den flektierenden synthetischen Sprachen gleich dekliniert oder konjugiert werden, bietet die Wörteranordnung in den rückläufigen Wörterbüchern nicht nur die Wörter eines derivativen Typs, sondern auch gleich Wörter desselben oder ähnlichen Deklinations- oder Konjugationstyps an. In den herkömmlichen alphabetischen Wörterbüchern sind die grammatischen Klassen, Unterklassen und Gruppen über das ganze Wörterbuch zerstreut.

Wenn in dem rückläufigen Wörterbuch dem Lexem die notwendige grammatische Charakteristik gegeben ist, so kann sie bei der Aufstellung des grammatischen Paradigmas des jeweiligen Wortes benutzt werden. In dem rückläufigen Wörterbuch der litauischen Sprache (Þilinskiene 1995), in dem die Wörter nach ihren Wortarten angeordnet sind, haben die Wörter Information über ihre Grundstämme und Flexionen, wodurch weiterhin ein Gesamtbild der Wortformen entstehen kann.

Die RWb als Basis für andere Wörterbücher

Die Beziehungen der rückläufigen Wörterbücher mit den Wörterbüchern anderer Typen entwickeln sich in zwei Richtungen.

Erstens, der größte Teil der rückläufigen Wörterbücher stellt eine Inversion eines Bedeutungs-, Übersetzungs-, Häufigkeits- oder eines anderen Wörterbuches dar. Ein Hindernis für die autonome Ausarbeitung der rückläufigen Wörterbücher ist das Fehlen einer spezifischen, Methodik, die die für die Wortauswahl notwendigen Kriterien festlegen könnte.

Zweitens, die rückläufigen Wörterbücher sind oft Basis für andere Wörterbücher, z. B. für die Wortbildungs-, Morphem- und grammatischen Wörterbücher sowie für die Wörterbücher der Sprachschwierigkeiten und Paronyme. Die Paronyme als morphologisch und phonetisch ähnliche Wörter, die sehr oft von einer Wurzel stammen, aber unterschiedliche Bedeutungen haben (z. B. humanistisch - humanitär), gehören zu den Sprachschwierigkeiten, weil die Unterschiede oft ganz unbedeutend und kaum bemerkbar sind. Das Material der rückläufigen Wörterbücher könnte dabei helfen, sich die Bedeutungen der Wortauslaute bewusst zu machen und auf solche Weise die Bedeutungen der Paronyme zu differenzieren. Die gewonnenen Erfahrungen könnten in den Wörterbüchern der Paronyme fixiert und in der Sprachpraxis verwendet werden.

In der lexikographischen Praxis und in der Arbeit mit den Wörterbüchern haben sich die sogenannten integrativen Wörterbücher, d. h. die Wörterbücher, die die Synthese von mehreren Wörterbuchtypen darstellen, als nützlich erwiesen. Das grammatische Wörterbuch von A. Zaliznjak (Zaliznjak 1977) ist ein gutes Beispiel dafür. In der Einleitung weist dessen Autor darauf hin, dass die Anordnung nach den Prinzipien des rückläufigen Wörterbuches von enorm großer Bedeutung für die Benutzer des grammatischen Wörterbuches ist. Wenn das in den grammatischen Wörterbüchern verwendet wird und wenn andererseits die grammatische Information in den rückläufigen Wörterbüchern erweitert wird, schwindet die Grenze zwischen ihnen, die Benutzer der Wörterbücher aber bekommen linguistisch umfangreiche Quellen sowohl für die Sprachforschung als auch für den Unterricht und Spracherwerb.

Schlussbemerkung

Die rückläufigen Wörterbücher unterscheiden sich wesentlich von den anderen Wörterbüchern dadurch, dass sie keine einzelne Spracheinheit (Wort oder Wortverbindung), sondern einen ganzen Wortbildungs- oder Formenbildungstyp: seine Bestandteile, seinen Umfang, seine Grenzen und gegenseitige Beziehungen charakterisieren. Die rückläufigen Wörterbücher weisen nicht auf einzelne Punkte, sondern auf ganze Felder hin. Sie geben eine Übersicht über die derivativen, morphologischen und phonologischen Resourcen. Diese Wörterbücher bieten den Sprachforschern ein schon systematisiertes Material an, das auch diejenigen gebrauchen können, die die Sprache unterrichten und diejenigen, die sie erlernen. Sowohl die Forscher als auch die Sprachlehrer können in den rückläufigen Wörterbüchern viele Antworten hinsichtlich der Wort- und Formenbildung sowie der Phonologie finden. Die linguistische Kapazität dieser Wörterbücher haben wir noch nicht ganz erfasst, und deswegen wird sie auch nicht genutzt. In Westeuropa ist das Interesse für diese Wörterbücher viel größer, so hat das rückläufige Wörterbuch der deutschen Sprache von E. Mater (Mater 1965) schon sechs Auflagen erlebt und im Jahre 2000 ist es als CD erschienen.

Die Anwendung der neuen Technologien hat die Zusammenstellung der rückläufigen Wörterbücher produktiver gemacht. Dadurch sind auch die Grundlagen für vielseitige Entwicklung dieses Wörterbuchtyps geschaffen. Gleichzeitig kann dadurch die linguistische Kapazität steigen, wovon die rückläufigen Wörterbücher der deutschen und englischen Sprache von G. Muthmann zeugen (Muthmann 1988; Muthmann 1999).

Literaturliste

1.      Albus, E. (1540) Novum Dictionarii genus, in quo ultimis seu terminalibus Germanicarum vocum syllabis observatis, Latina vocabula, cum suis quaecumque synonymis, additis loquendi etiam figuris ac modis protinus sese offerunt, ex variis authoribus collectum. – Frankfurt, 1540. Nachdruck mit einem Vorwort von Gilbert de Smet. – Hildesheim, New York: G. Olms, 1975 (Documenta Linguistica. R.I).

2.      Bielfeldt, H. H. (1958) Rückläufiges Wörterbuch der russischen Sprache der Gegenwart . – Berlin: Akademie – Verlag (Veröffentlichungen des Instituts für Slavistik. Sondereihe Wörterbücher)

3.      Juilland, A. (1965) Dictionnaire inverse de la langue française. – London, The Hague, Paris: Mouton ( ‘’Janua Linguarum’’. Series practica, VII).

4.      Lehnert, M. (1971) Rückläufiges Wörterbuch der englischen Gegenwartsprache = Reverse Dictionary of Present-Day English. 2. Aufl. – Leipzig: Verlag Enziklopädie VEB.

5.      Mater, E. (1965) Rückläufiges Wörterbuch der deutschen Gegenwartsprache. – Lepzig: VEB Bibliografisches Institut.

6.      Mühlenbach, K. (1923 – 1932) Lettisch – deutsches Wörterbuch. Bd. 1 – 4. – Riga.

7.      Muthmann, G. (1988) Rückläufiges deutsches Wörterbuch. Handbuch der Wortausgänge mit Beachtung der Wort- und Lautstruktur. – Tübingen: Max Niemeyer Verlag (Reihe Germanistische Linguistik, 78).

8.      Muthmann, G. (1999) Reverse English Dictionary. Based on phonological and morphological principles. – Berlin, New York: Mouton de Gruyter.

9.      Robinson, D. F. (1976) Lithuanian Reverse Dictionary. – Cambridge (Mass.): Slavica Publishers.

10. Soida, E., Kliavinia S. (1970) Latvieðu valodas inversâ vârdnîca. – Rîga: LVU.

11. Soida, E., Kliavinia, S. (2000) Latvieðu valodas inversâ vârdnîca. 2., papild. un lab. izd. – Rîga: RaKa.

12. Zaliznjak, A. A. (1977) Grammatièeskij slovarj russkogo jazyka. – Moskva: Russkij jazyk.

13. Þilinskiene, V. (1995) Atgalinis dabartinës lietuviø kalbos þodynas. – Vilnius.

Über die Autorin

Sarma Kliavinia, Dozent, Dr. philol. , Universität Lettlands, Philologische Fakultät, Abteilung der baltischen Philologie. Wissenschaftlicher Interessenbereich: Allgemeine Sprachwissenschaft, Quantitative Linguistik.

Wissenschaftliche Leistungen: Rückläufiges Wörterbuch der lettischen Sprache. – Riga, 1970 (1. Aufl.); 2000 (2. Aufl.) – 396 S.; Die Natur der Sprache: Einführung in die allgemeine Sprachwissenschaft.(Lettisch)–Riga,1997 – 80 S.; Sprache als System. (Lettisch) – Riga,1983 – 40 S.; Statistik in der Linguistik. (Lettisch) – Riga, 1980 – 145 S.

Adresse: Universität Lettlands, Philologische Fakultät, Visvalza Str. 4a, LV –1050 Riga, Lettland; E-mail: sarmak@latnet.lv

In: Modern Languages in the Knowledge Society. 2. International Conference. Materials. – Kaunas: Technologija, 2002 (CD)     

     

 
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