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   Die werke von august bielenstein - eine bedeutende quelle der indoeuropäistik des 19. jahrhunderts     

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  Sarma Kïaviòa

Die werke von august bielenstein - eine bedeutende quelle der indoeuropäistik des 19. jahrhunderts

Der Pastor August Bielenstein ist am 4. März 1826 in Jelgava (Mitau) geboren, er starb 1907 nach vielen langen Jahren glücklichen Lebens. In seinem Leben hat er unwahrscheinlich viel für die Erforschung der lettischen Sprache, Folklore, Ortsnamen, Burgen, Ethnographie und des Altertums geleistet. Vierundfünfzig Jahre seines Lebens, vom Jahre 1853 an, war er in der Lettisch-literärischen Gesellschaft, in der sogenannten Gesellschaft für Lettenfreunde in Riga und Jelgava tätig, einunddreißig Jahre (1864-1895) war er deren Präsident. Die Lettenfreunde waren deutsche Pastoren aus Kurzeme (Kurland) und Vidzeme (südliches Livland), später gehörten dazu auch Pastoren, Literaten und andere gebildete Leute lettischer Nationalität. Was diese Gesellschaft in den hundert Jahren ihrer Tätigkeit (1824-1924) geleistet hat und wie die Beziehungen zwischen den Deutschen und Letten waren, können wir dem Buch von Âronu Matîss entnehmen (Âronu Matîss 1929).

In seiner Biographie schreibt A. Bielenstein: "Wir erfuhren damals den öffentlichen Vorwurf, daß wir (die Lettisch-literärische Gesellschaft) das lettische Volk und seine Sprache nur als ein Forschungsobjekt ansähen und das Resultat unserer Forschungen der internationalen Wissenschaft darböten, aber nicht des lettischen Volks Kernntnisse, Bildung und geistiges Wohlergehen förderten. .. Ich muß es ja anerkennen, daß meine Person besonders für die internationale Wissenschaft hat arbeiten wollen, aber ich bin mit ganzer Energie zugleich dafür eingetreten, daß unsre Gesellschaft in dem Namen der Lettenfreunde (Latvieðu draugi) mehr als einen bloß leeren Titel führe.. " (Bielenstein 1986, 421). Es ist wirklich wahr, dass Bielenstein selbst und seine Werke die europäische Wissenschaft des 19. Jahrhunderts mit der lettischen Sprache bekannt gemacht haben.

Dr. A. Bielenstein war die höchste, international anerkannte Autorität in Fragen der lettischen Kultur (Stradiòð 1995, 375). Doch glaubt er nicht an die Zukunft der lettischen Nationalität.: "Denen aber, die in ihr vorwärtsstreben, steht nur eine einzige Wahl frei, nähmlich entweder sich von Generation zu Generation (in kurzem geschieht das ja nicht) dem russischen Volkstum in Sprache und Sitte, vielleicht auch in der Konfession anzuschließen, oder aber dem deutschen Volkstum.., solange sich dieses, sei es auch in engeren Grenzen in der Familie, im Privatleben und trotz der großen Erschwerung auf seiner germanischen Bildungsstufe erhält.." (Bielenstein 1986, 435).

Obwohl Bielenstein ein leidenschaftlicher Verteidiger des Deutschtums war, kann er jedoch als Lettenfreund bezeichnet werden. Davon zeugen von seinem unablässigem Forschergeist angeregte wissenschaftliche Tätigkeit, die international anerkannt war, und seine gesellschaftliche Arbeit, deren Früchte ein wertvolles Erbe für das lettische Volk geworden sind, - das 1870 in Dobele (Doblen) veranstaltete lettische Sängerfest, sein Aufruf vom Jahre 1891 zur Sammlung der Folklore, Ortsnamen, Mundartwörter (er selbst hat etwa 40 000 Ortsnamen gesammelt), der 1896 in Riga organisierte Kongress der Kaiserlichen archäologischen Gesellschaft, die lettische ethnographische Ausstellung und andere bedeutende Aktivitäten.

In seiner Kindheit und Jugend hat Bielenstein eine sehr gute humanitäre Ausbildung erhalten. Zuerst lernte er bei seiner Mutter und seinem Vater - dem Pastor der lettischen Gemeinde in Jaunauce (Neu-Autz), im Alter von 11 Jahren las er schon Homers Odysseus in Originalsprache. Danach - in dem berühmten, dreihundert Jahre alten Gymnasium Pforta in Deutschland (in der Nähe von Naumburg). Danach studierte er an der Universität Dorpat, wo “sich seine Begriffsstrenge und Ausdrucksklarheit entwickelten” (Hillner 1907, 5).

Gleich nach dem Abschluss des Studiums, im Jahre 1850, hatte der junge Pastor ein Jahr Vorbereitungszeit, um die Stelle des verstorbenen Vaters anzutreten. In seiner Biographie erinnert sich Bielenstein, dass er damals die lettische Sprache noch nicht gut genug beherrscht hat, er ist aber davon überzeugt gewesen, dass die Predigten wirksam sein können, wenn sie vom Herzen kommen und frei, in lettischer Sprache gehalten werden. Auch die Bibliothek der lettischen Bücher für seine Gemeinde hat der junge Pastor gegründet, um das geistige Leben zu fördern.

In Jaunauce hat Bielenstein 15 Jahre gearbeitet, und hier entstanden seine philologischen Arbeiten. In der Ausgabe der Gesellschaft der Lettenfreunde Magazin wurden 1855 und 1856 seine Schriften über das Wesen, den Wert sowie die Metrik der Volksdichtung veröffentlicht. Dennoch wurde seine größte Aufmerksamkeit der Forschung und der Beschreibung der lettischen Sprache gewidmet.

Eines der Wunder des Gottes ist die menschliche Sprache, mag auch immerhin der Forscher Gesetze erkunden, nach welchen dieses wunderbare Gebilde entstanden ist und sich allmählich weiter entwickelt (A.Bielenstein)

Die evangelische Kirche folgte dem Vorbild Luthers und studierte die örtlichen Sprachen, denn,“was hat denn das christliche Volk vom Wort Gottes, das nicht in der Muttersprache vorgetragen wird”. Auch in Bezug auf die Erwerbung der lettischen Sprachkenntnisse, wie Pastor Georg Hillner schreibt, war schon vor Bielenstein einiges gemacht worden, ihm stand es bevor, einen ordentlichen, nach allen Gesetzen des Wissens fundierten Weg zu verlegen (Hillner 1907, 5).

Als die Gesellschaft der Lettenfreunde Bielenstein aufforderte, die Neuauflage der Lettischen Grammatik von Heinrich Hesselberg (Hesselberg 1841) vorzubereiten, war er schon zur Erkenntnis gekommen, dass eine neue Grammatik notwendig ist, die den Anforderungen der Sprachwissenschaft entsprechen würde, und dass man in dieser Arbeit sowohl die Methoden des Sprachphilosophen und Naturwissenschaftlers als auch des Historikers anwenden müsste: "So habe ich denn bisher nicht gesucht einzelne Vervollständigungen oder Verbesserungen zu Hesselbergschen Grammatik zu sammeln, sondern ein von Grund aus neues Werk zu liefern, in welchem angestrebt wäre: nicht bloß eine Zusammenstellung der tatsächlichen Spracherscheinungen, sondern vornehmlich ein geistiges Verständniß derselben, nicht bloß eine Zusammenstellung von Regeln und Gesetzen, sondern Nachweisung (so viel, als möglich) von Grund und Ursach der Gesetze.." (Bielenstein 1856, 4).

Mitte der 50er Jahre begann A. Bielenstein die Arbeit an Die lettische Sprache, nach ihren Lauten und Formen erklärend und vergleichend dargestellt (Bielenstein 1863 - 1864). Die Vorbereitung von zwei Bänden des Buches nahm ungefähr 7 Jahre in Anspruch. Das Manuskript wurde im Winter 1859/60 in Montreux am Genfer See abgeschlossen, wo A. Bielenstein sechs Monate wegen seines Kehlkopfleidens zum Kuraufenthalt weilte. Ende 1860 wurde es der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Russlands in St.Petersburg vorgelegt. Auf Beschluss der drei Rezensenten - des Sanskritologen Otto von Böhtlingk, des Orientalisten Anton von Schiefner und des Sprachwissenschaftlers Ferdinand Wiedemann bewilligte die Akademie der Wissenschaften dem Autor die Hälfte des Demidov-Preises und Mitel für die Herausgabe des Werkes.

Das Werk A. Bielensteins, des Pastors in Jaunauce (Neu-Autz), ist die erste wissenschaftliche Grammatik der lettischen Sprache, die sofort von den Professoren für historisch-vergleichende indoeuropäische Sprachwissenschaft in Europa genutzt wurde. Sie ist wiederholt auch im 20. Jahrhundert - in Leipzig 1972 herausgegeben worden.

Es muss noch hinzugefügt werden, dass A. Bielenstein in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts noch zwei Werke der lettischen Sprache gewidmet hat: 1) praktisches Handbuch für diejenigen, die die Sprache nicht als Forschungsobjekt, sondern als ein möglichst korrektes Verständigungsmittel auffassen, - Lettische Grammatik (Bielenstein 1863); 2) ein Büchlein für diejenigen, die die lettische Sprache nur kennen lernen möchten, - Die Elemente der lettischen Sprache (Bielenstein 1866).

..daß es wohl kaum dort eine Universität gab, in welcher nicht die lettische Sprache auch berücksichtigt und getrieben wurde, weil die doch eben gar nicht unwichtiges Glied in der indoeuropäischen Sprachfamilie war (A. Bielenstein)

Wie Dr. A. Bielenstein beobachtet hat, bestand das Interesse für das lettisch Volk und dessen Sprache schon seit Mitte des Jahrhunderts (Bielenstein 1986, 326).

Die Sprachwissenschaft hat sich als selbstständiger Wissenschaftszweig nur im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts herausgebildet, als man begonnen hatte, die historisch-vergleichende Methode anzuwenden. Den baltischen Sprachen, besonders der litauischen Sprache (ähnlich wie dem Sanskrit) wandten sich wegen ihrer Altertümlichkeit schon die Begründer dieser Methode zu ( Rask 1818; Bopp 1823; Bopp 1833; Bopp 1853). Auch Jakob Grimm, als er die Geschichte der deutschen Sprache schrieb, nutzte vielfach das Material der lettischen Sprache aus (Grimm 1848).

Der Begründer der vergleichenden Phonetik und der wissenschaftlichen Etymologie August Friedrich Pott widmete als erster sein Buch den baltischen (in seiner Terminologie - den Lettischen) Sprachen (Pott 1837-1841).

Gewöhnlich wird das Material der beiden lebenden baltischen Sprachen betrachtet, das Litauische aber viel häufiger und breiter. Dafür gibt es einen objektiven Grund - im Litauischen sind mehr altertümliche, der indoeuropäischen Ursprache nähere Erscheinungen erhalten geblieben als im Lettischen. Wesentlich ist aber, dass sich für die litauische Sprache August Schleicher interessiert hat. 1852 ging er nach Litauen, erlernte dort die litauische Sprache, schrieb die litauische Grammatik, stellte ein Lesebuch mit Wörterbuch zusammen, sammelte Märchen, Lieder, Rätsel, Sprichwörter und machte die europäische Wissenschaft mit der litauischen Sprache und Folklore bekannt. Leider konnte die im Vertrag mit der Akademie der Wissenschaften Russlands geplante Forschung der lettischen Sprache wegen Schleichers Krankheit und seines frühen Todes (er starb im Alter von 47 Jahren) nicht verwirklicht werden. Dennoch ist die lettische Sprache in seinen bedeutendsten Werken nicht vergessen worden: Die Sprachen Europas in systematischer Übersicht (Schleicher 1850) und Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen (Schleicher 1861 - 1862)

Die erwähnten europäischen Sprachwissenschaftler, wie es aus ihren Werken hervorgeht, haben ihre Kenntnisse der lettischen Sprache Gothard Friedrich Stenders Grammatik (Stender 1783) und seinem Wörterbuch (Stender 1789) sowie Otto Rosenbergers Formenlehre (Rosenberger 1830) entnommen. Die Grammatik von A. Bielenstein war noch nicht geschrieben.

Doch machte A. Bielenstein die europäischen Wissenschaftler mit der lettischen Sprache schon vor dem Erscheinen seines Werkes bekannt - während der Besuche in Deutschland und durch seine wissenschaftliche Korrespondenz. 1858 in Königsberg besprach er mit Professor G. H. F. Nesselmann das Schrifttum der baltischen Sprachen. Unter anderem, die Benennung baltische Sprachen geht auf die Anregung Nesselmanns 1845 zurück. Davor und auch noch danach wurden diese verwandten Sprachen entweder lettische oder litauische Sprachen oder auch litoslawische bzw. letoslawische Sprachen genannt. In Berlin traf sich A. Bielenstein mit Professor Adalbert Kuhn, der sich mit der vergleichenden Sprachwissenschaft und Mythologie beschäftigte und die erste Zeitschrift für die vergleichende Sprachwissenschaft herausgab. “Kuhn hatte die grosse Liebenswürdigkeit, mich zu einem Besuch bei Jakob Grimm zu veranlassen.. Dieser empfing mich in seinem Schreibzimmer, welches ich wie ein Heiligtum deutscher Wissenschaft betrat”, erinnert sich A. Bielenstein (Bielenstein 1986, 132). Während dieser Reise traf sich Bielenstein auch mit Franz Bopp und war der erste, der über die lettische Sprache erzählen konnte. In Halle besuchte Bielenstein den emeritierten Professor A. F. Pott. Mit A. Schleicher, dem Professor in Prag und später in Jena, stand Bielenstein im regen Briefwechsel und wurde herzlich in sein Haus in Jena aufgenommen; “ohne seine litauische Grammatik ist Bielensteins lettische Grammatik schwer vorstellbar”, schreibt Alvils Augstkalns (Augstkalns 1934, 20).

Seine persönlichen Kontakte mit den ausländischen Wissenschaftlern nutzte A. Bielenstein in der Tätigkeit der Lettisch-literärischen Gesellschaft aus, weil mehrere bedeutende europäische Wissenschaftler ihre Ehrenmitglieder oder korrespondierende Mitglieder waren: A. Pott, A. Schleicher, A. Leskien, A. Bezzenberger, der deutsche Mythologe W. Mannhardt, der auch über die lettische Mythologie geschrieben hat, u. a. (Âronu Matîss 1929, 163-165).

Sprachforschung ist Wissenschaft. Die Wissenschaft ist international (A. Bielenstein)

Die lettische Sprache.. von A. Bielenstein ist zu einer bedeutenden Quelle der indoeuropäischen Sprachwissenschaft des 19. Jahrhunderts geworden.

Als 1866 in Weimar die zweite Auflage von A. Schleichers Compendium erschien, war das darin enthaltene Material der lettischen Sprache Bielensteins Grammatik entnommen. Als A. Pott in Halle das Buch über die Verschiedenheit der europäischen Sprachen schrieb, die die Numeralien und verschiedene Methoden des Zählens nachweisen (Pott 1868), fand er die lettischen Zahlwörter in Bielensteins Werk. Als August Fick in Göttingen sein Wörterbuch der indogermanischen Grundsprache veröffentlichte (Fick 1868), konnte festgestellt werden, dass die lettischen Wörter aus dem Werk von Bielenstein stammen. Das ist auch eine der Quellen gewesen, als er (Fick 1873) die Ansichten des Grazer Professors Johannes Schmidt über die Verwandtschaft der indoeuropäischen Sprachen, seine sogenannte Wellentheorie (Schmidt 1872), in Frage stellte. Auch bei ihrer Entstehung wurde das Material der lettischen Sprache aus Bielensteins Grammatik verwendet.

Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts haben die Junggrammatiker an den Universitäten Leipzig und Berlin Bielensteins Grammatik intensiv verwendet, insbesondere betrifft das die der litauischen Sprache gewidmeten Arbeiten. In der Forschung von August Leskien über die Deklination in den slawischen, baltischen und germanischen Sprachen (Leskien 1876) sowie in den Monographien über den Ablaut in den Wurzelsilben (Leskien 1884) und über die Bildung der Nomina im Litauischen (Leskien 1891) ist das Material der lettischen Sprache Bielensteins Grammatik und Karl Christian Ulmanns Lettisch-deutschem Wörterbuch (Ulmann 1872) entnommen. Bielensteins Grammatik nennt Leskien wahrhaft ausgezeichnet, dennoch fügt er hinzu, dass die Auffassung von den Formen leider oft durch die Neigung beeinträchtigt ist, die lettischen Gestalten derselben direct auf älteste vorhandene oder erschlossene Grundformen zu beziehen (Leskien 1876, 28).

Der Höhepunkt der Tätigkeit von den Junggrammatikern war die von dem Leipziger Professor Karl Brugmann und dem Jenaer Professor Bertold Delbrück ausgearbeitete vergleichende Grammatik der indoeuropäischen Sprachen (Grundriss) in 5 Bänden (Brugmann, Delbrück 1897 - 1916), wo alle damals bekannten indoeuropäischen Sprachen vom Laut bis zum Satz behandelt werden. Auf Basis vom Grundriss bereitete später Brugmann allein Die kurze vergleichende Grammatik der indogermanischen Sprachen in 3 Bänden (Brugmann 1902-1904) vor und beschrieb auch die Demonstrativpronomina in den indogermanischen Sprachen (Brugmann 1904). In allen diesen Werken war die Quelle der lettischen Sprache Bielensteins Die lettische Sprache...

Bezzenberger ist der hervorragendste von allen ausländischen Sprachwissenschftlern... (A. Bielenstein)

Besonders muss man über Bielensteins Zusammenarbeit und Freundschaft mit dem Königsberger Professor Adalbert Bezzenberger sprechen, der drei Amtsperioden der Reihe nach zum Rektor seiner Universität gewählt worden war.

A.Bezzenberger ist der erste professionelle europäische Sprachwissenschaftler, der die lettische und auch die litauische Sprache beherrscht, wie Bielenstein berichtet, “kann er geschickt wie ein geborener Litauer oder Lette sprechen”. Er ist der erste von den Wissenschaftlern, der selbst an der Erforschung der lettischen Sprache teilgenommen hat, indem er alte Druckschriften - Texte des 16. und 17. Jahrhunderts sowie Dialekte und Mundarten studierte und zusammen mit Bielenstein und dem Anatomieprofessor Ludwig Stieda 1882 durch Lettland reiste. Er machte die europäische Wissenschaft mit den litauischen und lettischen Texten des 16. und 17. Jahrhunderts bekannt (Bezzenberger 1875; Bezzenberger 1886), veröffentlichte die lettische Dialektstudien (Bezzenberger 1885), beschrieb die Sprache der Bewohner der Kurischen Nehrung (Bezzenberger 1888; Bezzenberger 1889). Also ist Bezzenberger als Begründer der baltischen Philologie anzusehen, weil er sich mit allen drei baltischen Sprachen beschäftigte, er machte auch den Anfang für die Erforschung der lettischen Dialektologie und der alten Texte.

In der von Bezzenberger herausgegebenen Beiträge zur Kunde der indogermanischen Sprachen haben ihre Werke auch die lettischen professionellen Sprachwissenschaftler - Karl Mühlenbach und Janis Endzelins veröfentlicht. Bezzenberger selbst verwendete für die Vorbereitung seiner Artikel über die sprachlichen Erscheinungen der lettischen und anderen baltischen Sprachen, z. B., über die Deklination im Lettischen, über die baltischen Vokale, über das Futurum im Lettischen Bielensteins Grammatik der lettischen Sprache.

Obwohl Bezzenberger 25 Jahre jünger als Bielenstein war, verbanden beide enge Freundschaft und gemeinsame Arbeit. Über die gemeinsame Expedition im Sommer 1882 schrieb Bielenstein in seinen Erinnerungen:

".. wir haben uns in Dwinsk (Dünaburg) getroffen, fuhren und gingen durch Kurland von Subate bis Kraslava, besuchten die Letten um Dagda, Rezekne, Ludzene, Varaklani, wo wir wieder die Grenze von Vidzeme erreichten. Bezzenberger besuchte noch die Letten in Vidzeme bei Smiltene, Piebalga, Valmiera, Cesis, Krimulda, Peterupe usw. Danach ging er noch nach Kurland, wo er von Dobele an Zemite vorbei bis Dundaga, Pope, Kuldiga, Bartava und Nica reiste" (Bielenstein 1896, 63-63). In Dankbarkeit für die langjährigen gemeinsamen Forschungen und für die in Harmonie des Geistes verlebten Tage widmete Bielenstein A. Bezzenberger sein bedeutendstes Werk Die Grenzen des lettischen Volksstammes und der lettischen Sprache in der Gegenwart und im 13. Jahrhundert (Bielenstein 1892).

Dieses Werk ist neben dem über die lettische Sprache dasjenige, an dem ich mit der größten Liebe und dem größten Zeitaufwand gearbeitet habe (A. Bielenstein)

Dieses Werk von Bielenstein ist im Laufe von dreißig Jahren entstanden, und ist nach wie vor, wie Jânis Stradiòð hinweist, einer der Ecksteine der historischen Geographie Lettlands (Stradiòð 1995, 373). Es leitet die wesentliche Problemanalyse der Ethnologie Lettlands ein.

In dieser Arbeit suchte Bielenstein Antworten auf mehrere Fragen. Welche Nationalitäten haben einst das Baltikum bewohnt? Wo waren die lettischen und finnischen Stämme, als hier die Deutschen kamen? Wie kann man das Niederlassen der Liven an der Ostsee erklären: haben sie früher auch das Innland bewohnt und sind von den Letten bis zur Küste verdrängt worden, oder sind sie von der Seite der See gekommen und haben die Letten von der Küste verdrängt? Zu den Antworten verhalfen die Schriftdenkmäler des 13. Jahrhunderts, die alten Benennungen der Flüsse, Sümpfe und Wälder. Man musste nur klären, aus welchen Sprachen sie stammen. "Hier waren noch größere Schwierigkeiten zu überwinden, und mochte auch manches Namens Herkunft dunkel bleiben, so ließ sich doch an einer genügenden Menge von sicher zu deutenden Ortsnamen feststellen, ob Letten bzw. Litauer oder finnische Leute (Liven, Ehsten) dem Ort den Namen gegeben, dasselbst gewohnt oder mindestens geherrscht hatten," schreibt A. Bielenstein (Bielenstein 1986, 361). Die Schlussfolgerungen werden durch 6 Karten veranschaulicht, die von der Tochter des Autors Martha und eine - von seinem Sohn Emil gezeichnet sind. A. Bielenstein hat als erster in der Erforschung der lettischen Sprache die Methode der linguistischen Geographie und den Begriff der Isoglosse verwendet.

Eine ganze Reihe von Volkslehrern, Forschern und Freunden der Geschichte der Heimat, nicht wenige Vertreter der baltischen Gutsherren, sogar aristokratische Damen nahmen an der Sammlung der Materialien für diese Arbeit teil, sie antworteten auf die von Bielenstein geschickten Fragebögen und schlossen sich den Reihen an, die die Wissenschaft weitgehend unterstützten. Und es begann Mitte des Jahrhunderts, als das nationale Bewusstsein der Letten erwachte. Anfang der 90er Jahre gab es in Europa noch keine ethnographische und kulturhistorische Arbeiten, die die Etymologie der Ortsnamen für die Klärung der ethnischen Geschichte benutzt hätten. Deswegen ist die Leistung von Bielenstein im Kontext seiner Zeit und nicht vom heutigen Standpunkt aus zu bewerten. Auf dem Wiener Archeologenkongress, der bald nach dem Erscheinen des Buches stattfand, wurde es gelobt und als Musterbeispiel gewürdigt.

Diese Arbeit des Pastors von Dobele haben der damalige Professor der Universität Dorpat Baudouin de Courtenay (Baudouin de Courtenay 1893, 304), der Königsberger Professor Adalbert Bezzenberger, die deutschen Historiker des Baltikums Richard Hausmann und Karl Schirren (Magazin 1894, 79 - 138) hoch eingeschätzt. In den Rezensionen gibt es auch nicht weniger Einwände, weil es um eine recht komplizierte historische Frage geht.

Nach der Auswertung des in den Rezensionen und Briefen Gesagten veröffentlichte der Autor Verbesserungen und Ergänzungen seiner Arbeit (Bielenstein 1894, 147-154). Das zeugt davon, wie gewissenhaft er auf dem Gebiet der Wissenschaft gearbeitet hat.

Die Universitäten Dorpat und Königsberg haben A. Bielenstein die Ehrendoktorwürde verliehen, die Kaiserliche Akademie der Wissenschaften Russlands haben ihn zum korrespondierenden Mitglied gewählt. Aber eine ganz besondere Genugtuung war für den Forscher, dass 1893 auch die Lettische Gesellschaft Rigas ihn zusammen mit Kriðjânis Barons und dem Bürgermeister Rigas Ludwig Kerkovius zu ihrem Ehrenmitglied ernannte. So haben endlich auch die Letten A. Bielensteins Bemühungen um die Erforschung der lettischen Sprache und Geschichte anerkannt.

Da die Wissenschaft über die Sprachen im 19. Jahrhundert in Deutschland entstand und sich intensiv entwickelte, haben die deutschen Wissenschaftler die größte Aufmerksamkeit A. Bielensteins Werken über die lettische Sprache geschenkt. Aber viel hat sie auch der ukrainische Sprachwissenschaftler, Folklorist und Forscher der slawischen Literatur Alexander Potebnja (1835 - 1891) verwendet. Dasselbe kann über den tschechischen Linguisten, Professor der Prager tschechischen Universität und Präsidenten der Tschechischen Akademie der Wissenschaften Josef Zubatý (1855 - 1931), den Professor der Universität Moskau Filip Fortunatow (1848 - 1914), den Professor der Universität Warschau und späteren Kurator für Bildungswesen des Rigaer Bezirkes Grigorij Uljanow (1859 - 1912), den dänischen Linguisten, Professor der Universität Kopenhagen Wilhelm Thomsen (1842 - 1927), den finnischen Linguisten, Professor der Universität Helsinki Joseph Mikkola (1866 - 1946) und noch andere Forscher der indoeuropäischen Sprachen gesagt werden.

A. Bielensteins Werke über die lettische Sprache waren eine wesentliche Quelle für die europäische Sprachwissenschaft mehrere Jahrzehnte - bis 1922, als in deutscher Sprache Jânis Endzelîn’s Lettische Grammatik (Endzelin 1922) erschien, wo oft auf Bielenstein Bezug genommen wird. Wenn auch in ihnen Unzulänglichkeiten und Mängel zu finden sind, haben sie einen bleibenden Wert nicht nur für die Wissenschaft und Kultur Lettlands, sondern des ganzen Europas.

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Augusta Bîlenðteina darbi – nozîmîgs 19. gadsimta indoeiropeistikas avots

Sarma Kïaviòa (Rîga)

Mâcîtâjs Dr. Augusts Bîlenðteins (1826 – 1907) bija sava laika augstâkâ, starptautiski atzîtâ autoritâte latvieðu kultûras jomâ.

Rakstâ apkopoti historiogrâfiska pçtîjuma rezultâti par to, kâ A. Bîlenðteina darbi par latvieðu valodu izmantoti 19. gadsimta Eiropas valodniecîbâ.

Viòa darbs Die lettische Sprache .. (1863 – 1864) ir pirmâ zinâtniskâ latvieðu valodas gramatika, ko tûdaï pçc tâs iznâkðanas sâka izmantot Eiropas universitâðu indoeiropieðu valodniecîbas profesori: gan salîdzinâmi vçsturiskâs metodes radîtâji (F. Bops, J. Grimms), gan A. Pots un A. Ðleihers, gan jaungramatiíi (A. Leskîns, K. Brugmans) un A. Becenbergers. Tâ bija nozîmîgs indoeiropeistikas avots lîz 1922. gadam, kad iznâca J. Endzelîna Lettische Grammatik.

Darbâ Die Grenzen des lettischen Volkstammes und der lettischen Sprache in der Gegenwart und im 13.Jahrhundert (1892) A. Bîlenðteins pirmais latvieðu valodas pçtîðanâ lietoja lingvistiskâs ìeogrâfijas metodi un izoglosas jçdzienu, sâka izmantot vietvârdu studijas etniskâs vçstures problçmu noskaidroðanai. Ðis darbs bija avots gan Eiropas lingvistiem, gan etnologiem un vçsturniekiem.

Publicçts þurnâlâ Res Balticae. Miscellanea Italiana di studi baltistici. A cura di Pietro U.Dini & Nikolai Mikhailov. 8, 2002

     

 
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